Das Beste für euch zusammengefasst

Tijen Onaran, Marija Kolak, Prof. Dr. Miriam Meckel, Frank Schätzing: Das sind nur vier der großartigen Speaker*innen, die in FINTROPOLIS, dem Zukunftskongress von Atruvia, zu Gast waren. Bereits zum zweiten Mal öffnete die Werk.Stadt der Zukunft ihre – diesmal virtuellen – Tore und bot zwei Tage voller inspirierender Vorträge, spannender Workshops und anregender Diskussionen. Im Fokus standen die Trends aus den Bereichen Leben, Arbeiten, Banken und Sicherheit (kurz: LABS) – und damit die Frage: Wie werden sich das Leben, das Arbeiten, die Banken und die Sicherheit der Zukunft entwickeln.

Gemeinsam mit den Speaker*innen wagten die rund 1.300 Teilnehmenden einen Blick über den Tellerrand: Sie entdeckten, wie sich die Welt um uns herum grundlegend verändert und welche Herausforderungen die digitale Transformation mit sich bringt. In WERK.SHOPS und ZUKUNFTS.PANELS erhielten sie wegweisende Impulse und innovative Lösungsansätze – und entwickelten mit diesem Wissen frische Ideen für das Banking von morgen.

Du willst FINTROPOLIS 2021 Revue passieren lassen oder bist jetzt neugierig geworden? In der TREND.STUDIE haben wir die wichtigsten Aspekte, Ergebnisse und Erkenntnisse festgehalten und geben damit einen vertiefenden Einblick in das große Themenspektrum von FINTROPOLIS. Hier findest du das Beste aus allen ZUKUNFTS.PANELS, WERK.SHOPS und Keynotes multimedial aufbereitet. Klick dich rein – und bleib #zukunftsverbunden!

#Von Disruption bis Diversity – hier findet ihr alles, was auf der Hauptbühne passiert ist:

Disruption - Change - Digitale Transformation

Trend.Inhalt von: Dietmar Dahmen, Zukunftsforscher und Experte für Transformation

„Veränderung ist kein Geheimnis“, sagt Dietmar Dahmen. Sie passiere ständig und immerfort direkt vor unseren Augen. Und was machen wir? Richtig! Nichts! Und zwar so lange, bis wir uns der Veränderung wirklich nicht mehr verschließen können. Und dann wundern wir uns, warum uns niemand schon früher Bescheid gegeben hat.

Zum Beispiel beim Bezahlen: Früher haben wir den Überweisungsschein ausgefüllt, heute zahlen wir per Onlinebanking oder sogar schon mit der Bitcoin-Wallet. Alles ändert sich immer schneller, immer radikaler – Neuerungen werden abgelöst und irgendwann stellen wir fest: Das Produkt – zum Beispiel die Bankfiliale – wird nicht mehr gebraucht, aber das Bedürfnis bleibt. Und wer hat das Bedürfnis? Richtig, die Kund*innen! Deshalb ist es am wichtigsten, die Kund*innen beim Transformationsprozess mitzunehmen.

Denn: Neue Produkte oder Services lassen sich gut generieren, Kund*innen aber nicht. Und so kommen wir zu einer entscheidenden Erkenntnis: Das wichtigste Asset ist nicht mehr das Objekt, nämlich die Filiale, sondern die Kundschaft! Ihr muss man zuhören. Und gleichzeitig neue Möglichkeiten schaffen – in diesem Fall das Onlinebanking immer weiter ausbauen.

Die zwei Wellen der digitalen Transformation
Onlinebanking-Services auszubauen, bedeutet digitale Transformation. In der ersten Welle der digitalen Transformation haben wir zunächst die Effizienz erhöht. In der zweiten Welle wird vor allem eines wichtig: Werte. Dietmar Dahmen sagt dazu: „Denn im Zeitalter der Individualisierung müssen wir uns mehr denn je fragen: Tun wir wirklich etwas Gutes für unsere Kund*innen mit dem, was wir tun? Haben wir richtig zugehört, haben wir ihre individuellen Bedürfnisse erkannt und sind wir in der Lage, sie auch zu erfüllen?“ All das ist essenziell dafür, damit sich Kund*innen respektiert fühlen und bleiben.

Digitale Transformation

Digitale Transformation steht für einen Veränderungsprozess der gesamten Gesellschaft inklusive der Wirtschaft, der durch digitale Technologien ermöglicht wird. Wesentliche Treiber sind Informationstechnologien wie Kommunikationsnetze, Hardware, Software und Anwendungen. Der Veränderungsprozess läuft kontinuierlich weiter und beschleunigt sich durch die Schaffung immer neuer digitaler Techniken selbst.

Quelle: BigData-Insider

Das bedeutet auch, bei der Transformation von alten, sicher geglaubten Werten mitzugehen. Dahmen: „Deshalb müssen sich Banken jetzt mit der Contextual Selling Proposion (CSP) beschäftigen – mit Informationen, die für User*innen einzigartig werden. CSP heißt, Kund*innen dort mit ihrem individuellen Informationsbedürfnis abzuholen, wo sie gerade stehen und niemand sonst. Wie kann das gelingen? Mit jeder Menge Daten – je höher die Datendichte über die Nutzer*innen, desto kontextueller wird auch die Information. Sucht eine Person beispielsweise die nächste Bank, hilft der Blick aufs Handy, um auf dem schnellsten Weg dorthin zu gelangen.“

Die Seele macht den Unterschied
Wir halten fest: Daten geben Funktionalität. Maschinen, vor allem die mit Künstlicher Intelligenz (KI), sind smart und können Standardaufgaben schneller erledigen als wir es je könnten. Doch das reicht nicht, dafür ist das Leben zu unvorhersehbar und chaotisch. Der Mensch hingegen bringt all das ein, was auch die smarteste Maschine so schnell nicht schaffen wird: Ethik, Kultur, Persönlichkeit. Kombinieren wir Mensch und Maschine richtig, kommen wir zum Ziel.

Denn: Die KI macht das Business S.M.A.R.T., nämlich Spezifisch, Messbar, Ausführbar, Realistisch und Terminiert. Der Mensch hingegen kümmert sich um alles, was G.E.I.L. ist: Ganzheitlich, Emotional, Innovativ und Lustvoll. „Wenn wir nicht bequem werden und abwarten, sondern auf Power und die richtigen Tools setzen, sind wir schnell. Damit erreichen wir im Banking unsere Ziele und nehmen unsere Kund*innen mit auf die Reise in die Zukunft“, sagt Dietmar Dahmen.

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Gespräch mit Waldemar Zeiler: Unfuck the Economy – Wir müssen unsere Wirtschaft neu denken!

„Klimakrise, Biodiversitätskrise und soziale Ungerechtigkeit – größter Auslöser und Treiber für die drei großen Probleme unserer Zeit ist die Wirtschaft“, sagt Waldemar Zeiler, Gründer und Chief Executive Unicorn des Unternehmens Einhorn Products. Mit Luisa Jacobs von Zeit Online diskutierte er auf der Hauptbühne bei FINTROPOLIS, was in der Wirtschaft gerade falsch läuft und wie sie sich hinsichtlich Nachhaltigkeit verändern muss.

Normalerweise ist Wirtschaft wie ein Fußballspiel. (…) Doch das Spiel ist überhaupt nicht mehr fair.

Waldemar Zeiler, Chief Executive Unicorn bei Einhorn Products


Waldemar Zeiler hat bereits in der 12. Klasse sein erstes eigenes Business gestartet und studierte an der Maastricht University BWL. Er gründete sieben Start-ups, mit denen er jedoch scheiterte – weil er nicht mit Leidenschaft dabei gewesen sei, sondern nur versucht habe, für Investor*innen aus einem Euro zehn zu machen. Aktuell widmet er sich Einhorn Products, die vegane Kondome und Menstruationsartikel vertreiben, und kürzlich erschien sein Buch „Unfuck the Economy“.

Als 2013 das Rana Plaza eingestürzt ist, ein Fabrikgebäude in Bangladesch, wusste er, dass es nicht mehr weitergehen könne wie bisher. Als Grund für die Katastrophe sah er das Prinzip „Shareholder Value only“: Die einzige Verantwortung von Wirtschaft sei, aus Kohle mehr Kohle zu machen, damit die Aktionär*innen zufrieden seien. Die Leute würden Kosten sparen wollen. Erst in der Realwirtschaft, dann in der Finanzwirtschaft – bis wir die planetaren Grenzen gesprengt haben.

Er zog seine Konsequenz daraus und gründete Einhorn, ein „fairstainable“ Unternehmen. Zu einem der drei Grundwerte zählt, nach bestem Wissen und Gewissen weder Mensch noch Natur „abzufucken“. Doch wie das genau geht, wussten sein Team und er zunächst auch nicht.

Transparenz
Der erste Schritt war, Transparenz in der Lieferkette zu priorisieren und herzustellen. Rund 25 Prozent des Einhorn-Teams arbeiten daran. Großen, konventionellen Unternehmen rät er, sich anzuschauen, wo und wie das Geld verteilt wird, Stichwörter: Dividenden und Marketingbudget.

Verantwortungseigentum statt Vermögenseigentum
Zusätzlich haben sich die Einhorn-Gründer enteignet: Alle Gewinne fließen in die Firma und alle entscheiden, was mit dem Geld passiert. Jeder denkt so langfristiger und fühlt sich verantwortlicher. Zeiler und Co. wollen diese Art der Unternehmensführung als neue Rechtsform etablieren.

New Work
Mitarbeiter*innen sieht er als Mitunternehmer*innen. Sie können beispielsweise so viel Urlaub nehmen, wie sie möchten, flexibel arbeiten, ihr Gehalt selbst bestimmen, Psychotherapie in Anspruch nehmen und vieles mehr. Nach Zeilers Philosophie würde man so agieren, wie es Menschen guttue, wenn man selbst Mensch sein dürfe.

Die Wissenschaftlerin Erica Chenoweth hat Revolutionen untersucht: Wenn man 3,5 Prozent einer Gruppe dazu gewinnt, disruptiver zu denken, dann ist das der Tipping Point einer Revolution. Ich glaube, soweit weg sind wir nicht davon entfernt.

Waldemar Zeiler, Chief Executive Unicorn bei Einhorn Products

Die Zuversicht für eine Veränderung kommt aus dem eigenen Unternehmen, das wie ein Wirtschaftslabor ohne Einflussnahme von außen funktioniert. Die Coronakrise mit ihren Lockdowns hat Zeiler Hoffnung gemacht, dass entgegen der Wirtschaft gehandelt wird. Jetzt ist die Frage: Was machen wir mit den Geldern, die bereitgestellt wurden? Bauen wir die alte Wirtschaft auf oder nutzen wir das Momentum, um eine neue, nachhaltigere, zukunftsweisende, enkeltaugliche Wirtschaft aufzubauen?

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Wer auf Diversity setzt, setzt auf Innovation

Trend.Inhalt von: Tijen Onaran, Gründerin „Global Digital Women“, Moderatorin und Autorin

Frauenquote oder Gendersternchen sind wichtige Aspekte von Diversity, aber Vielfalt geht weit darüber hinaus. Dessen ist sich Tijen Onaran sicher: „Ich bin der Überzeugung, dass Unternehmen, die nicht auf Diversität setzen, vom Markt verschwinden werden.“

Was bedeutet Diversität?

Unsere Gesellschaft wird immer bunter. Für Unternehmen heißt das, dass auch die Zielgruppen vielfältiger sind als noch vor einigen Jahren. Diverse Teams bieten die Möglichkeit, die Bevölkerung widerzuspiegeln und so realistische Perspektiven einzunehmen. Das ermöglicht es Unternehmen, Dienstleistungen und Produkte zu entwickeln, die tatsächlich die Bedarfe der modernen Gesellschaft bedienen.

Tatsächlich belegen Studien, dass diverse Teams erfolgreicher und innovativer arbeiten: So haben Unternehmen mit hoher Gender-Diversität eine um 25 Prozent größere Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich profitabel zu sein. Berücksichtigt man den Faktor der ethnischen Diversität (Internationalität des Vorstands), fällt der Wert mit 36 Prozent sogar noch höher aus.

Aber: Vielfalt kann auch richtig wehtun. Denn Menschen, die sich in Kultur, Aussehen, Religion, Herkunft, Alter, Sozialisation oder auch Charakter unterscheiden, werden mit höherer Wahrscheinlichkeit Diskussionen führen als Menschen, die sich in den genannten Aspekten ähneln. Doch sind es nicht genau diese hitzigen Debatten, die unsere Gesellschaft weiterbringen und Innovationen ermöglichen? Unternehmen sollten diese Frage bejahen, immerhin können sie von der Diversität profitieren und sie zu einem echten Wettbewerbsvorteil machen – und das auf vielen Ebenen.

Auch auf dem Arbeitsmarkt bringt eine klare Positionierung in relevanten Themen Vorteile für Organisationen: Heutzutage bewerben sich Unternehmen bei Talenten – nicht andersherum. Was müssen Unternehmen also leisten und vorweisen können, damit sich potenzielle Mitarbeiter*innen für sie entscheiden? Das Zauberwort lautet „Belonging“. Im Grunde streben Menschen nach Wertstiftung und Sinnhaftigkeit. Und die ist eng verknüpft mit Zugehörigkeit. Das ist heutzutage so ausgeprägt wie niemals zuvor. „Diversity ist kein Charity-Projekt“, sagt Tijen Onaran. Es gehe darum, dass jede und jeder einen Platz am Tisch findet, nicht darum, Randgruppen zu bespaßen. Und das müssen Unternehmen auch nach außen vorleben.

Diversität ist Chef*innen-Sache
Was hindert Unternehmen also noch daran, diesen Wettbewerbsvorteil auszunutzen? „Wir haben kein Erkenntnisproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem“, stellt Tijen Onaran fest. Diversität müsse innerhalb einer Organisation hoch priorisiert sein – wenn nötig auch in Zielen niedergeschrieben oder an Boni geknüpft. Denn es könne nicht die Aufgabe einiger Freiwilliger, vielleicht der Randgruppen selbst sein mehr Vielfalt in Unternehmen zu tragen. Das müsse die Aufgabe aller, aber vor allem die des Managements und des Aufsichtsrates sein. „Diversity muss zur Chef*innen-Sache gemacht werden“, bringt es sie auf den Punkt. Sonst werde sie wieder zum Charity-Projekt.

Ein Weg für die Organisationen könnte es sein, Diversität messbar zu machen. Denn: Diversity findet in Unternehmenszielen nur wenig bis gar nicht statt. Dabei ist es ein Vorhaben, das Leitplanken für die Zukunft aufstellt. Ein Vorhaben, mit dem Unternehmen Haltung zeigen. Und oft ist es nun mal gelebte Realität: Zielen folgen Maßnahmen. Und Maßnahmen für mehr Vielfalt brauchen Unternehmen ganz dringend, sonst werden sie eher früher als später vom Markt verschwinden.

*Quelle: https://www.total-e-quality.de/media/uploads/pagegroupdiversitystudie2021.pdf (Seite 6, „Interne Erfolge und Veränderungen durch Diversity Management“)

Trends in Leben + Arbeiten und ihre Wirkung auf die Finanzbranche

Trend.Inhalt von Sven Gábor Jánszky, Zukunftsforscher

Ein 18 Jahre altes Kommunikationstool wie die Videotelefonie ist NICHT die Zukunft des Bankings. Das machte Analyst Sven Gábor Jánszky in seinem Vortrag klar. Aber wie sich die Veränderungen und Trends der Gegenwart auf die Zukunft auswirken und wie Banken in der Zukunft aussehen, hänge auch davon ab, welches Mindset vorherrscht, so Jánszky.

Als Zukunftsforscher beschäftigt er sich mit der Frage, was die Realität bestimmt: Die verhaltenen optimistischen Prognosen der „Dichter und Denker“ oder die Erwartungen der Entscheider, die durch die Decke gehen? Genau diese Lücke dazwischen, das Reality Gap, ist einer seiner Untersuchungsgegenstände. Seine Frage an die Banken: Wer bestimmt dort die Realität, wer hat das Reality Gap im Blick?

Prognosedaten als Chance
Bis zum Jahr 2030 werden Quantencomputer mit ihrer enormen Rechenleistung zum Standard geworden sein. Mit ihnen lassen sich konstant Entwicklungen auf Basis von Daten vorhersagen, die zur Grundlage für Entscheidungen und neue Geschäftsmodelle werden.

Während Daten früher statisch waren, sind sie heute in Echtzeit erfassbar und werden in den kommenden Jahren zu „Schneller-als-Echtzeit“-Daten, zu Prognosedaten. Von der Einbruchswahrscheinlichkeit in einem Bezirk über die Verkehrslage in einem Sektor des autonomen Fahrens bis hin zur persönlichen Wahrscheinlichkeit, Krebs zu bekommen, oder der Kündigungswahrscheinlichkeit von Mitarbeiter*innen – es lässt sich alles vorhersagen. Und das ist eine Chance für Banken.

Sie müssen die Zukunft mehr lieben als die Vergangenheit.

Sven Gábor Jánszky, Zukunftsforscher

Kundenpyramide verändert sich
Das Geschäftsmodell von Banken fußt auf einem breiten Sockel aus Economy-Kund*innen und wächst pyramidenförmig von den Standard- bis hin zu den Premiumkund*innen. Die Digitalisierung lässt den Standard-Bereich schrumpfen. Banken müssen sich entscheiden: Konzentrieren sie sich auf einen stark digitalisierten Massenmarkt mit kleinen Margen oder arbeiten sie produktzentriert im Premium-Bereich des Identitätsmanagements? Was Jánszky damit meint: Den Kund*innen in diesem Segment ist ihre Identität besonders wichtig, beispielsweise ihr Wohlstand oder die Zugehörigkeit zu einer Region. Für Banken bedeutet dies, sich nicht mehr nur im reinen Bankingsektor zu betätigen, sondern sich beispielsweise als „Regional-Kümmerer“ aufzustellen.

Wer hat 2030 die Macht?
Schon heute gibt es fünf Echtzeit-Daten-Ökosysteme, die ihren Besitzer*innen Macht verleihen: Finanztransaktionsdaten, Mobilitätsdaten, Bewegungsdaten im Haus, Körper- und Gesundheitsdaten sowie Wissens- und Kompetenzdaten. Sie lassen beispielsweise Prognosen zu, was später gekauft wird. Daher plädiert Jánszky für einen Strategiewechsel in der Finanzbrache – und ein Zukunfts-Mindset.

Sein Fazit: „Holen Sie sich Ihr Zukunfts-Mindset. Der Moment ist jetzt!“

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Tell Me Why: Vom Sinn des Bankings

Trend.Inhalt von Ulrich Coenen (Vorstandssprecher Atruvia), Maik Klotz (Mitgründer payment & banking), Anja Kukuck-Peppler (Vorständin VR PartnerBank Chattengau-Schwalm-Eder), Dirk Kannacher (Vorstand GLS Bank)

Welchen Sinn hat das traditionelle Bankgeschäft angesichts des voranschreitenden Onlinebankings? Darüber sprachen Ulrich Coenen (Vorstandssprecher Atruvia), Maik Klotz (Mitgründer payment & banking), Anja Kukuck-Peppler (Vorständin VR PartnerBank Chattengau-Schwalm-Eder) und Dirk Kannacher (Vorstand GLS Bank) in der Paneldiskussion mit Dunja Hayali.

Das digitale Banking spielt in nahezu allen Geschäftsbereichen eine dominierende Rolle. Immer mehr Aufgaben werden vom Menschen auf die Maschine übertragen. Und auch das Verhalten der Kundschaft verändert sich. Ulrich Coenen führt an: „29 Prozent der Kund*innen von Genossenschaftsbanken und 35 Prozent der Kund*innen von Sparkassen erledigen ihre Bankangelegenheiten am liebsten ausschließlich online. Der Anteil der Kund*innen, die den Filialbesuch vorziehen, schrumpft jährlich.“

Welchen Zweck haben also regionale Geldinstitute heutzutage noch – und wie lässt sich mit den immer schnelleren Entwicklungen Schritt halten? Die Antwort ist auf den ersten Blick recht simpel: Die Kund*innen stehen im Mittelpunkt, sind sich die Diskutierenden einig.

Der Sinn des Bankings liegt für uns vor allem darin, die Bedarfe unserer Mitglieder zu bedienen und Mehrwerte für sie zu liefern.

Anja Kukuck-Peppler, Vorständin VR PartnerBank Chattengau-Schwalm-Eder

Regionale Banken sehen sich vor allem als Versorger des ganzen Umfeldes – in sozialer und ökologischer Hinsicht. Hier grenzen sie sich von FinTechs und Neobanken ab, denn der persönliche Umgang mit den Kund*innen ist ihre Kernkompetenz. Wenn Banken zukunftsfähig sein wollen, dann sind neue digitale Geschäftsmodelle gefragt. „Die Technologie ist für uns ein Werkzeugkasten, der es uns erlaubt, mit unseren Mitgliedern in einen noch engeren Dialog zu treten, wenn sie es am meisten brauchen“, betont Ulrich Coenen.

Regionalprinzip als Chance
Das Regionalprinzip der Genossenschaftsbanken ist in einer zunehmend globalisierten und digitalen Welt sogar eine Chance. Das Ziel muss auch für Banken lauten: Digitalisierung und Regionalität verbinden, Synergien aus beiden Welten nutzen. Neben einer kundenorientierten Vernetzung sämtlicher verfügbarer Vertriebskanäle werden Partnerschaften in sogenannten Geschäftsökosystemen vorangetrieben – darunter Kooperationen mit Händlern, Versicherern, Telekommunikationsunternehmen und FinTechs.

Nachhaltigkeit passt super zu Regionalität – die Voraussetzungen dafür sind die besten. Wir müssen eine Bank mit einer Zukunftsfähigkeit bauen, zu der die jungen Leute gern hingehen.

Dirk Kannacher, Vorstandsmitglied GLS Bank

Der Zugang zu einer digitalen Steuererklärung wie beispielsweise bei der ING bietet für Bankkund*innen einen attraktiven Mehrwert. Für Immobilienbesitzer*innen ist die Vermittlung von digitalaffinen Makler*innen interessant, die kostenlose Wertgutachten erstellen und beim Verkauf der Immobilie behilflich sind. So erhöht ein Geldinstitut die Relevanz für Kund*innen und begünstigt die Präsenz am umkämpften Markt.

Um mit Direkt- und Neobanken mithalten zu können, seien neue Zusammenarbeitsmodelle gefragt. „Wir laufen Gefahr, dass Neobanken verfügbare Daten absaugen, um dann mit dem besserem Front-End die Kund*innen zu bedienen“, warnt Maik Klotz. Die regionalen Institute verfügen bereits heute über einen riesigen Datenschatz, der noch viel besser genutzt werden könnte. „Das Zusammenbringen aller Daten ist ein entscheidender Faktor, um künftig einen noch besseren Blick auf die Kund*innen zu bekommen“, sagt Coenen. Der Schlüssel zu kleinen, begeisternden Erlebnissen kann einfach sein: vom Knopf für den Excel-Export im Onlinebanking über die Push-Nachricht zur fälligen Mietzahlung bis hin zur proaktiven Hilfestellung per Chatbot. Den Ideen und dem Unternehmertum der Ortsbanken sind kaum Grenzen gesetzt.

Zwischen Tradition und Moderne – Wie nachhaltig sind genossenschaftliche Geschäftsmodelle?

Trend.Inhalt von Marija Kolak (BVR), Martin Beyer (Atruvia), Hans Joachim Reinke (Union Investment), Michael Dandorfer (Münchner Bank eG)

Genossenschaftsbanken stehen für krisenfeste und nachhaltige Wirtschaftsstrukturen. Vor allem durch das Engagement in den Heimatregionen fördern die Genossenschaftsbanken ihre Kund*innen dauerhaft und gezielt. „Wir wollen unseren Mitgliedern nachhaltige und auch tragfähige Lösungsangebote machen. Insbesondere unsere gewerblichen Kunden gilt es, bei ihrer Transformation zu begleiten“, betont Marija Kolak.

Das soll vor allem über Regionalität gelingen, die Teil des genossenschaftlichen Geschäftsmodells ist – auch in Großstädten und Metropolen. Laut Michael Dandorfer funktioniert das am besten mittels „Stadtteilbanking“. Das bedeutet, die Banken sollten jeden Bezirk als eigenständige „Region“ betrachten, da die Bedürfnisse der Kund*innen auch innerstädtisch völlig unterschiedlich sein können.

Wir haben die beste Zukunft überhaupt. Unsere Rechtsform ist zukunftsträchtig, weil wir urdemokratisch sind und das tragen wir seit über 250 Jahren in unserer DNA.

Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender Union Investment

Darüber hinaus soll durch die digitale Transformation der Genossenschaftsbanken ein noch besserer Zugang zu den Mitgliedern geschaffen werden. „Es ist uns extrem wichtig, uns viel Zeit für die Technologie zu nehmen“, betont Martin Beyer. So soll es Kund*innen künftig möglich sein, zwischen digitalen, analogen oder einer Kombination beider Möglichkeiten zu wählen. „Hier ist der Omni-Kanal das Entscheidende: Unsere Mitglieder*innen können sich über die Produkte der Banken informieren, persönlich beraten lassen und den Abschluss auf unserer Plattform machen“, sagt Beyer. Dabei liegt der Mehrwert des genossenschaftlichen Geschäftsmodells laut Dandorfer vor allem in der persönlichen Beratung: „Wir können unsere Prozesse schlanker machen, aber der Mensch wird immer im Mittelpunkt stehen.“

Zwischen Innovationsgeist und Klimawandel: Was bringt die Zukunft?

Trend.Inhalt von Frank Schätzing (Schriftsteller), Prof. Dr. Miriam Meckel (ada) und Markus Dauber (Volksbank eG – „Die Gestalterbank“)

Was passiert, wenn ein Bankvorstand, eine erfolgreiche Geschäftsfrau und ein Schriftsteller aufeinandertreffen? Richtig, wir erhalten einige spannende Denkanstöße. Im Gespräch mit Moderatorin Dunja Hayali diskutierten Markus Dauber, Co-Vorsitzender des Vorstandes der Volksbank eG – „Die Gestalterbank“, Prof. Dr. Miriam Meckel, Gründungsverlegerin der digitalen Weiterbildungsinitiative ada, und Bestseller-Autor Frank Schätzing über den Klimawandel, die Rolle des Journalismus und die Zukunft der Menschheit. Dabei wurde deutlich: Die Menschheit kann es sich nicht leisten, Zeit zu verlieren und über Kosten nachzudenken.

Wir müssen uns vorstellen, dass wir gerade von einem Berg in eine Schlucht stürzen. Auf halbem Wege bekommen wir einen Fallschirm angeboten. Da wird auch niemand sagen: Ach nee, ist mir zu teuer.

Frank Schätzing, Schriftsteller

Zum zeitlichen Aspekt führte Dauber an: „Jemand, der nichts zu verlieren hat, hat kein Bedürfnis nach Sicherheit. Deshalb treffen wir in Deutschland immer Entscheidungen unter diesem Gesichtspunkt.“ Diese Abwägungen kosten Zeit, die die Menschheit nicht habe. Meckel nahm zusätzlich die deutsche Medienlandschaft in die Pflicht:

Im deutschen Journalismus finden wir keine Hoffnungsschimmer, nur Bedrohungsszenarien. So können wir die Gesellschaft nicht motivieren.

Miriam Meckel, Co-Founder & CEO bei ada

Den Leuten müsse Lust auf Zukunft und Innovation gemacht werden. Ihnen müsse gezeigt werden, dass Technologie langfristig Arbeitsplätze schaffe, statt sie wegzurationalisieren. Das könne laut Markus Dauber aber nur erreicht werden, indem positive Beispiele ins Rampenlicht gestellt werden.

Doch wie kann das vonstattengehen? Indem die Menschen zusammen ein Ziel definieren und darauf hinarbeiten. Für Frank Schätzing ist klar, dass die Menschheit dafür ein gemeinsames Vielfaches braucht – etwas, auf das sich alle einigen können: „Zum Beispiel, dass wir alle dieselbe Luft atmen oder dass viele von uns Kinder und Kindeskinder haben, von denen wir nicht wollen, dass sie in einer lebensfeindlichen Umwelt sterben.“ Zudem müssten sich alle fragen, was ihnen diese Erde wert sei, schloss Dunja Hajali. Denn Zukunft sei immer schon im nächsten Augenblick. Wichtig sei, mit Freude und Spaß an Klimaschutz und die Gestaltung der Zukunft heranzutreten, um langfristig zum Erfolg zu kommen, so Schätzing: „Mit schlechter Laune kann man die Welt nicht verbessern!“