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Leben

Spektakuläre True-Crime-Fälle aus der Welt des Geldes | Teil 1

Verbrechen aus Leidenschaft? Nicht bei diesen True-Crime-Stories aus der Wirtschafts- und Finanzwelt. Hier ging es den Tätern vor allem um Habgier, Macht – und Geld!
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© Photo by David von Diemar on Unsplash
10.05.2022

Treuhandkonten, die nur von Luftüberweisungen lebten, mehr oder weniger gelungene Raubüberfälle und das berühmte Ponzi-Schema: In den vergangenen Jahren gab es allerhand spektakuläre True-Crime-Stories in der Welt der Wirtschaft und Finanzen. Wir haben uns auf eine Reise in die Vergangenheit begeben, um die spannendsten Fälle für dich zu suchen – und sind fündig geworden!

Der Vater des Finanzbetrugs

Das ist passiert:

Der Italiener Charles Ponzi kommt 1902 mit 2,50 US-Dollar in der Tasche in den USA an. Seine Karriere startet wie bei den meisten, die damals in Amerika groß rauskommen wollen, als Tellerwäscher. Stetig auf der Suche nach der „get rich quick“-Idee, kommt ihm eines Tages ein Geistesblitz: International Reply Coupons! Diese internationalen Antwortscheine, kurz IRC, werden für den Briefverkehr ins Ausland verwendet. Sie gelten als eine Art Rückporto und sind nahezu überall auf der Welt gültig. Die Idee: Empfänger*innen eines Briefes im Ausland können den Antwortschein in ihrer heimischen Postfiliale einlösen und bekommen dafür kostenfrei die entsprechende Frankierung für einen Brief. Einen festen Preis gibt es nicht, da er sich an der geltenden Währung im entsprechenden Land orientiert. In Deutschland kostet so ein Schein aktuell beispielsweise zwei Euro, in Nigeria aber umgerechnet nur 32 Cent.

220510 FINT Artikel Finanz True Crime Unsplash 22ali © Photo by Ali Bakhtiari on Unsplash

Zur damaligen Zeit war der Dollar sehr viel mehr wert als die italienische Währung und die Scheine in Charles Ponizs Heimatland somit deutlich günstiger zu bekommen. Warum die IRCs also nicht billig in Europa einkaufen und in den USA wieder teuer verkaufen? Der Italiener erzählt einigen Bekannten von seiner Idee und sammelt so erstes Startkapital. Das Geld inklusive horrender Zinsen zahlt er kurze Zeit später zurück. Plötzlich will jede*r investieren.

50 Prozent Rendite nach nur 45 Tagen, das ist Ponzis Versprechen. Zu Höchstzeiten verdient er damit knapp eine Million Dollar – und zwar pro Woche. Doch wie ist aus dieser augenscheinlich schlauen Idee eigentlich Betrug geworden? Schließlich kann Ponzi die versprochenen Zinsen stets zurückzahlen. Ganz einfach: Charles Ponzi hat in der ganzen Zeit nie einen einzigen IRC gekauft. Die Zinsen der Investor*innen zahlt er stattdessen vom Geld anderer Investor*innen. Die Blaupause für das bekannte Schneeball-System war geboren.

220510 FINT Artikel Finanz True Crime Unsplash s O3 L Qzrwk © Photo by Dan Calderwood on Unsplash

So ist es ausgegangen:

An Betrug hat lange niemand geglaubt. Immerhin soll Ponzi ein zierlicher Mann gewesen sein, keine 1,60 Meter groß. Dafür aber voller Energie und Charme, mit dem Herz am rechten Fleck, vor allem aber mit Stil und Manieren – ein echter Dandy. Zu bröckeln beginnt die ganze Fassade erst, als die Bankenaufsicht misstrauisch wird und diverse Investor*innen kein Geld ausbezahlt bekommen. Nachdem sich das Finanzamt und später die Polizei einschalten, werden bei Ponzi keine Antwortscheine gefunden – sondern nach heutiger Rechnung 195 Millionen US-Dollar! Über 400.000 Menschen sollen auf Ponzis Betrug – der heute weltweit als „Ponzi Scheme“ bekannt ist – reingefallen sein. Mit dem Geld, das er ergaunert hat, hätte man mehr als 160 Millionen IRCs kaufen können, tatsächlich im Umlauf waren zur damaligen Zeit allerdings nur knapp 27.000. Charles Ponzi wird 1920 zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Du findest den Fall spannend? In der Biografie „Ponzi's Scheme: The True Story of a Financial Legend” von Mitchell Zuckoff gibt’s die ganze Geschichte zum Nachlesen.

10.05.2022