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Social Investing: Mit Copy Trading zum Erfolg?

Der Trend zur sozialen Plattform hat auch die Finanzmärkte erreicht: Mit Chancen und Gefahren für Anleger*innen.
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04.05.2022

Es klingt wunderbar: Gemeinsam Strategien entwickeln, Geld anlegen und Gewinne machen – Social-Investing-Plattformen wie eToro wollen das Privatanlegenden mittels Schwarmintelligenz ermöglichen. Doch ist das Wissen der Vielen wirklich ein guter Ratgeber in finanziellen Angelegenheiten?

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Posten, chatten, kommentieren und liken – soziale Plattformen wie Facebook, Instagram oder TikTok sind beliebter denn je. Nach einer weltweiten Erhebung des Global Web Index verbrachten Menschen 2021 täglich etwa 147 Minuten auf ihnen. 2012 waren es noch 90 Minuten. Es ist ein Zuwachs, der sich auch in der steigenden Zahl der Netzwerke widerspiegelt. So gibt es heute kaum noch ein Bedürfnis oder Hobby, für das noch kein Online-Portal existiert – ob Networking, Partnersuche oder Fotoalbum. Selbst Privatanlegende haben mit Social-Investing-Plattformen wie eToro oder NAGA mittlerweile eine Anlaufstelle im Internet gefunden. Doch wie genau passen soziale Netzwerke und der Kauf von Aktien und Finanzderivaten an der Börse zusammen?

Kopieren, einfügen, Profite machen

Kurz gesagt: Social-Investing-Plattformen wollen Anfänger*innen mit Profis zusammenbringen und Ersteren dabei helfen, von Letzteren zu lernen. „Was man alleine nicht schafft, das schafft man zusammen“ – so das Motto, das stark an den Basisgedanken des genossenschaftlichen Geschäftsmodells erinnert. Ein Motto, das auch für das 2007 in Tel Aviv gegründete Investorennetzwerk eToro gilt, dessen Unternehmenswert zwischen 2018 und 2020 von 800 Millionen auf rund 2,5 Milliarden US-Dollar gestiegen ist. Bei einem gescheiterten Börsengang 2021 hat das Unternehmen sogar eine Bewertung von 10,4 Milliarden Dollar angestrebt. eToro will für mehr „Aufklärung“ und „Transparenz“ sowie eine „Öffnung“ der Finanzmärkte sorgen. Ein hehres Ziel, dem sich mittlerweile rund 25 Millionen Menschen in 140 Ländern angeschlossen haben. Ähnlich wie bei Trading-Apps, haben sie bei eToro ihr eigenes Konto eröffnet von dem aus sie Investitionen in Aktien, Devisen, Rohstoffe und Krypto-Assets tätigen können – niedrigschwellig und mit geringen Startgebühren.

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Um ihre Erfolgsaussichten zu erhöhen, sollen sie dabei von der Schwarmintelligenz der Community profitieren und erfolgreiche Nutzende mittels „Copy Trading“ replizieren. Darüber hinaus bietet die Plattform ihren Mitgliedern auch Einblicke in die Statistiken und Risiko-Scores anderer Trader*innen an sowie Hebelgeschäfte mit Fremdkapital. Kleinere Plattformen, die auf die gleichen Dienstleistungen setzen, sind der Hamburger Neobroker NAGA und das auf Zypern beheimatete FinTech Forextime (FXTM).

Hinterher ist man immer schlauer

Doch wie erfolgreich ist das Copy und Social Trading nun wirklich? Eine Frage, die sich nur schwer beantworten lässt, da gesichertes Wissen in Form von Studien bisher fehlt. Auch ist die Berichterstattung über die meist international operierenden FinTechs eher spärlich. Interessierte Anlegende stoßen bei Kurz-Recherchen deshalb vor allem auf die Selbstvermarktung der Anbietenden und einige Testberichte aus der semiprofessionellen Anlegenden-Szene. Dort liegen die Vorteile der neuen Trading-Plattformen auf der Hand: Einsteiger*innen bekommen mehr Zugang und exklusive Insights, was ihnen überdurchschnittliche Erfolge einbringen soll. Profis können sich dagegen für ihre Unterstützung monetär entlohnen lassen.

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Eine vermeintliche Win-win-Situation, die sich vermutlich auch in einzelnen Fällen mit der Wirklichkeit deckt. Dennoch sollten sich Privatanlegende auch über die Risiken von CFDs und Copy-Portfolios im Klaren sein. Eine besonders offensichtliche, aber dennoch häufig unterschätze Gefahr ist zum Beispiel die Tatsache, dass sich Erfahrungen aus der Vergangenheit nicht ohne weiteres auf die Zukunft übertragen lassen. Genau das wird jedoch getan, wenn Einsteigende sich an den Investment-Entscheidungen von „Popular Investoren“ orientieren, deren Status allein auf früheren Erfolgen basiert. So wirbt eToro zum Beispiel damit, dass die 50 meistkopierten Trader*innen aus 2021 einen durchschnittlichen Jahresgewinn von 30,4 Prozent erzielt haben. Sie zu kopieren, klingt verlockend. Doch die Liste für 2022 könnte aus völlig anderen Namen bestehen, die heute noch niemand kennt.

Hin und her, Tasche leer

Ein Blick auf die Forschung macht klar, dass zweistellige Renditen statistisch gesehen eher die Ausnahme sind. Vielmehr zeigen zahlreiche Studien, dass aktive Investierende mit ihren Entscheidungen meistens unter der durchschnittlichen Marktrendite bleiben. So lag beispielweise die „Outperformance-Ratio“ professioneller Fondsmanager für 2021 laut Marktanalyst Scope bei nicht einmal 30 Prozent. Heißt: Im Schnitt sind nur drei von zehn Investor*innen besser als der durchschnittliche Markt. Ohne das nötige Glück dürften Renditen im zweistelligen Prozentbereich also selbst bei bester Marktkenntnis nicht realistisch sein. Und Glück lässt sich nun mal nicht reproduzieren. Anlegende sollten sich deshalb darüber im Klaren sein, dass überdurchschnittliche Erfolge auch mit Copy Trading kein Automatismus sind. Oder wie es Warren Buffet in einem seiner Investorenbriefe schreibt: „Das Ziel nichtprofessioneller Anleger sollte nicht darin bestehen, die Gewinner herauszupicken – das können weder sie noch ihre ‚Helfer‘ – sondern vielmehr darin, einen sektorübergreifenden Querschnitt von Unternehmen zu halten.“

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Der Trend unter Einsteiger*innen geht deshalb schon seit Längerem in Richtung passives Investieren. Anlegende stecken ihr Geld dabei langfristig in möglichst große Fonds, deren Performance sich nahe an der durchschnittlichen Rendite des Gesamtmarktes befindet. Im Unterschied zu einer aktiven Anlagestrategie, bei der immer wieder Kosten für Orders und Auszahlungen anfallen, spart das auch einiges an Geld. Broker wie eToro und NAGA brauchen die (mitunter etwas komplizierten) Gebühren dagegen, um Geld zu verdienen, weshalb sie auch einen starken Anreiz haben, aktive Strategien stärker zu promoten. Anlegende sollten sich hier jedoch nicht von ihren Affekten leiten lassen und ständig zwischen den aktuell erfolgreichsten Anlagestrategien hin und her springen. Wie immer gilt auch beim Copy Trading die alte Investorenweisheit: Hin und her, Tasche leer.

Herdenverhalten und Hebelgeschäfte

Wenn es um aktives Stockpicking geht, sind Affekte generell ein wichtiges Stichwort. Erst recht, wenn soziale Dynamiken ins Spiel kommen, durch die die Irrationalitäten einzelner Anlegenden noch einmal verstärkt werden können. Herdenverhalten statt Schwarmintelligenz – ein Problem, das auch im Behavioral Finance häufig diskutiert wird (Herding). Mit Blick auf das Copy Trading ist die Datenlage hier zwar noch recht dünn, doch eine 2017 angefertigte Studie der New Yorker St. John’s Universität legt eine erhöhte Anfälligkeit für Dispositionseffekte nahe. Damit ist das verspätete Abstoßen schlechter Investitionen gemeint – auch Verlustaversion genannt. Die Erklärung der Autoren: Aus Angst vor Reputationsverlusten halten häufig kopierte Trader*innen auch trotz besseren Wissens an faktischen Fehlentscheidungen fest, da sie darauf hoffen, in Zukunft doch noch in die Gewinnzone zu kommen und so das Vertrauen ihrer Follower*innen zurückzugewinnen. Schlecht für die Trader*innen, genauso wie für ihre vielen Follower*innen.

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Und Anlegenden sollte auch klar sein, dass die auf den Social-Investing-Plattformen beliebten Leverage-Geschäfte eine erhöhte Verlustgefahr mit sich bringen. Denn wer seine Aktienkäufe mit Fremdkapital hebelt, vervielfältig neben Gewinnen auch mögliche Verluste. Nicht umsonst ploppt beim Besuch der eToro-Website stets eine allgemeine Risikoaufklärung auf, laut der 68 Prozent der Privatanleger Verluste mit dem Handel von CFDs einfahren. Es rät sich hier also, nur mit Geld zu spekulieren, dessen Verlust einen nicht finanziell aus der Bahn wirft.

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04.05.2022