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Arbeiten

Warum jeder berufliche Netzwerke aufbauen sollte

Werner Theiner kennt sich mit Networking aus. Er ist Experte für berufliche Netzwerke und erklärt, warum sie wichtiger denn je sind. Ein Gespräch über Kontakte, Gemeinschaften – und Säbelzahntiger.
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Photo by Jon Tyson on Unsplash
16.06.2020

Viele Jobs werden ausschließlich über Kontakte vergeben – ein gutes Netzwerk muss her. Wie baut man sich eins auf? Das weiß Werner Theiner, einer der bestvernetzten Unternehmer Deutschlands.

Werner Theiner ist Unternehmer und einer der besten Netzwerker in Deutschland – und das merkt man sofort, wenn man mit ihm zu tun hat. Er beantwortet E-Mails meist innerhalb von wenigen Minuten und ruft sofort zurück, wenn er einen Anruf verpasst hat. „Ich bin jederzeit für meine Kontakte erreichbar“, erklärt er.

Wohl auch deshalb kann Werner Theiner ein einzigartiges Kontakt-Netz vorzeigen: Er ist so gut darin, sich Netzwerke aufzubauen, dass er mittlerweile sogar Seminare dazu gibt und auf Tournee geht. In unserem Interview erklärt er, wie man sich am besten mit anderen Menschen beruflich verbinden kann.

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Werner, wie definierst Du überhaupt ein Netzwerk?

Im Allgemeinen versteht man darunter das Knüpfen von neuen und das Pflegen von bestehenden Kontakten. Mit seinem Netzwerk sollte man somit kontinuierlich Informationen austauschen, um das gegenseitige berufliche Vorankommen zu fördern. Aus meiner Sicht muss man das „Netzwerk“ allerdings differenzierter betrachten. Ich unterscheide zwischen Netzwerk, Community und dem Inner Circle.

Kannst Du diese Unterscheidung genauer erklären?

Ein Netzwerk ist eine Gemeinschaft von Menschen, die vorübergehend oder auch langfristig die gleichen Ziele haben. Als Teil dieses Netzwerks bringt man viel von seinen eigenen Kontakten mit ein und steuert auch Wissen bei, um eben diese Ziele in der Gemeinschaft zu erreichen. Es ist immer ein Geben und Nehmen. Aber bitte nicht vergessen: Geben kommt immer vor Nehmen.

Und was ist die Community?

Die Community dagegen ist eine Gemeinschaft von Menschen, die an das gleiche glauben – man kann sie auch „Fans“ nennen. Solch eine Gruppierung wird durch einen Host betreut und teilweise geführt. Man interagiert kontinuierlich und intensiv mit den Menschen. Eine Community findet man überwiegend im geschäftlichen Umfeld – und wenn die Community stark ist, garantiert das einem Unternehmen großen Erfolg. Beispiele für erfolgreiches Community Building sind etwa Apple oder der FC Bayern München.

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Und dann gibt es noch den Inner Circle?

Genau, der Inner Circle ist ein Verbund, eine eingeschworene Gemeinschaft, die mit einem hohen Anspruch an sich selbst und an die Mitglieder dieses Zirkels einhergeht. Man steht für eine Sache ein und strebt nach einem höheren Ziel. Der Aufbau eines Inner Circle ist ein jahrelanger, teilweise sogar jahrzehntelanger Prozess von Vertrauensbildung und dem Erreichen gemeinsamer Erfolge. Die Königsklasse des Human Networking.

Ob Inner Circle, Community oder Netzwerk – brauche ich das alles überhaupt?

Ja, unbedingt. Netzwerken ist wichtig, weil ich damit schneller und leichter an mein Ziel komme. Oder auch einfach lauter sein kann. Eine einzelne Stimme ist schwer zu hören. Zudem liegt Netzwerken einfach in unseren Genen: Schon in früher Vorzeit schlossen sich die Menschen zusammen, um erfolgreich auf die Jagd zu gehen. Gemeinsam konnte man ein Mammut erlegen und der andere Teil dieses Netzwerks hielt uns die Säbelzahntiger vom Hals. Auch heute noch schließen sich kleine Kinder zusammen, um auf den Baum zu klettern. Einer macht die Räuberleiter und der andere ergreift den Apfel, den man sich dann gemeinsam schmecken lässt. Mit dem Erwachsenwerden verlieren wir etwas von unserem Naturinstinkt und lassen uns zu viel auf Konkurrenzkämpfe ein. In der Pubertät ist das wichtig, aber dieses dauernde Kämpfen um Positionen und Vorteile sollten wir als Erwachsene wieder unterlassen.

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Gut, ich bin überzeugt – und möchte mir also nun ein Netzwerk aufbauen. Benötige ich dafür spezielle Voraussetzungen oder Charaktereigenschaften?

Eine bestimmte Charaktereigenschaft braucht man nicht zum Netzwerken. Es steckt ja wie gesagt in unseren Genen. Natürlich gibt es aber gewisse Neigungen, die einem das Netzwerken noch etwas mehr erleichtern: Neugier und Offenheit für andere Menschen zum Beispiel. Ein Stockfisch hat es da vielleicht etwas schwer. Aber möglicherweise gibt es ja auch einen Club für Stockfische oder ähnliches – schon sind wir auch da ein Stück weiter. Soll heißen: Es kann wirklich jeder netzwerken. Man muss es nur wollen.

Wie gehe ich weiter vor? Wie kann ich mein Netzwerk aufbauen und pflegen?

Der Einstieg ist eigentlich leicht. Schließ' Dich Clubs oder Vereinen an: dem Golf-, Tennis- oder Backclub oder eben auch einem Business-Club wie German Mittelstand e.V. Egal was – nur engagiert solltest Du dort dann auch sein. Bring Dich ein! Nur so wirst Du sichtbar und Sichtbarkeit ist das wichtigste Mittel, um ein Netzwerk aufzubauen. Das gilt auch online: Kommentiere, like und teile in den Gruppen Deines Vereins aktiv Beiträge. Mache das konsequent drei Monate und Du wirst sehen, wie schnell Du eine kleine Gemeinschaft um Dich herum aufgebaut hast.

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Gibt es auch irgendetwas, das ich auf keinen Fall tun sollte?

Wichtig ist: Du solltest nicht vergessen, dass Aktivitäten bei Facebook, LinkedIn, Xing und bei all den anderen Social Networks zwar gut sind, aber eben nicht alles. Das sind Tools, Transportmedien, die einem das Verwalten von Kontakten erleichtern. Der Aufbau eines Netzwerks, einer Community, dem „Inner Circle“, ist aber auch und vor allem ein persönliches Momentum. Das geht nur über direkten Kontakt. Networking ist keine App!

Networking ist keine App!

Werner Theiner

Alles klar. Hast Du denn zur Motivation noch ein Beispiel – von Dir selbst oder Deinen Kunden – dafür, was ein gutes Netzwerk bewirken kann?

Ich hatte schon lange die Idee eines Online-Projekts namens „Social Fuel Up“ – mit dem wollte ich Arbeitnehmern online bessere Softskills beibringen, also Körpersprache und Selbstvermarktung. Zufällig sprach ich nun mit einem Manager aus meinem Netzwerk. Ich erzählte ihm von „Social Fuel Up“. Er war begeistert und bat mich, die Idee für ihn umzusetzen. Ich begann meine Experten zu mobilisieren, entwickelte aus der Idee schnell ein maßgeschneidertes Konzept. Aus einem 4-wöchigen Projekt ist mittlerweile ein Jahresauftrag entstanden.

Und das alles funktionierte nur wegen Deines Netzwerks?

Glaub' mir, wenn ich normal für diese Idee Akquise betrieben hätte: Das Produkt „Social Fuel Up“ hätte keiner gekauft. Nur durch kontinuierliche Pflege des Netzwerks, das Vertrauen meines Kunden, das Kennen der besten Experten auf dem jeweiligen Gebiet und dem Blick für Synergien ist dieses Projekt entstanden.

16.06.2020