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Banken

Geldanlage? Übernehmen jetzt Roboter

Maschinen legen mindestens genauso erfolgreich Geld an wie Menschen. Vor allem für Kleinsparer sind Robo-Advisors interessant.
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© Photo by AbsolutVision on unsplash
28.07.2020

Wohin mit dem Geld? Ein Robo-Advisor weiß Rat. Er kauft und verkauft Aktien, Fonds, Anleihen, Rohstoffe oder ETFs. Als Anleger muss man sich um nichts kümmern und lässt den Roboter einfach machen. Ist das die Zukunft der Geldanlage?

Bis vor Kurzem ging Vermögensverwaltung so: Jemand mit viel Geld wendet sich an einen Vermögensverwalter. Der lernt seinen Kunden erstmal kennen, berät ihn ausführlich, tüftelt eine individuelle Strategie für ein Portfolio aus und legt je nach Risikobereitschaft und Zielen seines Klienten Geld in verschiedene Anlageklassen an – wie Aktien, Immobilien und Rohstoffe. Die Performance überwacht der Berater permanent, nimmt je nach Marktentwicklung Anpassungen vor und schichtet das Portfolio um. Außerdem hält er beständig Kontakt zum Kunden.

Geldanlage für alle

Solch eine individuelle Vermögensverwaltung ist teuer und lohnt sich nicht für jeden Anlagebetrag. Heute funktioniert Vermögensverwaltung jedoch auch so: Jemand mit nicht ganz so viel Geld wendet sich an einen Roboter, klickt sich online durch Fragen zu seiner Risikobereitschaft und Zielen. Ein Algorithmus entscheidet dann über das Portfolio, legt Geld in verschiedenen Anlageklassen an oder zieht es tagesaktuell wieder ab, falls Marktdaten ihm das nahelegen. Zwar programmieren Menschen die Algorithmen, die Transaktionen für die Geldanlage übernimmt der Roboter aber ganz alleine. Was ist dabei der Vorteil?

2020 08 FINT Artikel Börsenserie Anleger Roboter übernimmt Hoch 02 unsplash Berg © Photo by Leio McLaren on unsplash

„Die klassische Vermögensverwaltung, bei der sich ein Berater persönlich um alles kümmert, richtet sich vor allem an Vermögende. Die Mindestanlagesumme kann hier schon mal bei einer halben Million bis einer Million Euro liegen. Bei Robo-Advisors dagegen gibt es schon tolle Möglichkeiten, bereits mit monatlich 50 Euro anhand von Fonds am Kapitalmarkt zu investieren“, sagt Christian Leurs, Partner bei der Beratung Eurogroup Consulting. Besonders für Kleinsparer, die sich nicht so gut auskennen und über kein hohes Vermögen verfügen, seien die „Robos“ deshalb interessant. Manche Anbieter wenden sich aber auch an Betuchtere und verlangen Mindestanlagesummen von 100.000 Euro aufwärts. Eins haben jedoch alle gemeinsam: „Alle Angebote sind extrem standardisiert und stark automatisiert. Deshalb sind sie so günstig“, sagt Leurs. Individuelle Beratung? Fehlanzeige!

Wer heute etwas Geld auf die Seite legen, sich am Kapitalmarkt nicht auskennt und damit wenig Arbeit haben will, sollte einen Robo-Advisor in Erwägung ziehen. „Früher konnte man sein Geld auf der Bank liegen lassen und hat dafür Zinsen bekommen. Heute muss man etwas tun. Geld verdient nicht mehr einfach Geld. Wenn Geld nur daliegt, verliert es Geld. Deshalb sind Robo-Advisors eine gute Möglichkeit, unkompliziert und günstig Vermögen anzulegen oder aufzubauen“, sagt Christian Apelt vom Analysehaus tetralog, das Robo-Advisors durchleuchtet. Als digitale Vermögensverwalter nehmen Roboter ihren Kunden alles ab: Zuerst fragen sie, welche Ziele ihr Kunde hat und wie viel Risiko er eingehen will. Entsprechend sucht der Roboter dann eine passende Geldanlage aus und stellt das Portfolio zusammen. Je nach Risikobereitschaft steigt dann meist der Aktienanteil im Portfolio. Generell legen die meisten „Robos“ in kostengünstige ETFs (Exchange Traded Funds: an der Börse gehandelte Indexfonds) an, die einen Börsenindex eins zu eins abbilden. Das ist beispielsweise der Deutsche Aktienindex DAX, aber auch Immobilien - oder Rohstoffindizes.

2020 08 FINT Artikel Börsenserie Anleger Roboter übernimmt Quer 03 unsplash Gw s Fen8 Vh U aktien © Photo by Jason Briscoe on unsplash


Manche der Anlagehelfer sind dabei wie aktive Vermögensverwalter tätig und verteilen das Vermögen je nach dem Geschehen an den Märkten laufend um, wie zum Beispiel der „Robo“ von der VisualVest der Union Investment. Andere wiederum sind dem passiven Ansatz, der einmal ausgewählte Gewichtung der Anlageklassen, treu und reagieren, falls sich die ursprüngliche Gewichtung durch die Marktentwicklung verändert hat. Einige investieren dabei sogar in aktive Fonds, die ein Mensch managed, oder auch direkt in Wertpapiere. Das ultimative Konzept existiert dabei nicht. „Alle haben Vorteile und Nachteile. Eine tolle Performance, bei der das Geld absolut sicher ist, gibt es nicht. Man erkauft sich Performance auch immer mit einem gewissen Risiko“, sagt Apelt. Er empfiehlt daher, nicht nur auf die Rendite zu schielen, sondern auch auf das Risiko. „Der Top-Performer ist nicht unbedingt die beste Lösung. Sind Rendite und Risiko besser als der Durchschnitt, ist das gutes Handwerk und damit eine gute Lösung.“

Denn auch bei der Geldanlage mit Robotern ist wichtig zu wissen: „Wie bei jeder Geldanlage kann man auch mit einem Robo-Advisor Verluste machen“, sagt Leurs, „selbst wenn der Roboter eine sehr sicherheitsorientierte Anlagestrategie verfolgt.“ Laut dem Experten ist es deshalb wie bei allen langfristigen Geldanlagen wichtig, eine Weile dabei zu bleiben und Kurseinbrüche auszuhalten. „Eine Faustregel lautet: Man sollte mindestens sieben Jahre dabeibleiben. Nur dann kann ein Robo kurzfristige Marktschwankungen wieder langfristig ausgleichen.“

2020 08 FINT Artikel Börsenserie Anleger Roboter übernimmt Hoch 01 unsplash I Hvb OD Wm4h M hund © Photo by serjan midili on unsplash

Bei der Performance müssen sich „Robos“ gegenüber den von Menschen gemanagten Fonds nicht verstecken: Laut einem Test der Zeitschrift Capital, die Robo-Advisors 2019 untersuchte, erzielten die 25 geprüften Anbieter über ein Jahr ein Plus von 0,38 Prozent, über drei Jahre 12,09 Prozent. Das klingt nicht so berauschend, allerdings: Mischfonds individueller Vermögensverwalter, die den Depots der „Robos“ ähnelten, verzeichneten im selben Zeitraum im Durchschnitt ein Minus von 0,9 Prozent bzw. eine Rendite von 6,5 Prozent über drei Jahre. Gedrückt wurden die Renditen durch das schwache Börsenjahr 2018, in das auch der Untersuchungszeitraum fiel (Juni 2018 bis Juni 2019). Einige der Mischfonds individueller Vermögensverwalter performten allerdings deutlich besser und schafften über drei Jahre ein Plus von rund 20 Prozent. „Bei der Geldanlage haben Roboter den Vorteil, dass sie nicht emotional sind“, sagt Apelt. „Sie orientieren sich strikt an Fakten, haben keine Gefühle oder Zweifel.“

Anbieter drängen auf den Markt

Doch welcher „Robo“ ist der richtige? Hier empfehlen beide Experten einhellig: „Es lohnt sich, die verschiedenen Tests zu studieren, die regelmäßig in den Medien veröffentlicht werden.“ Denn das Angebot an Robo-Advisors ist mittlerweile riesig: 2014 gingen die ersten Anbieter an den Start, heute sind es fast 40. Viele von ihnen sind Start-ups. Und genau hier liegt wiederum ein Problem für Anleger: Manche kommen und gehen, werden übernommen. So wurde der Online-Vermögensverwalter Vaamo im Mai 2019 vom britischen Konkurrenten Moneyfarm geschluckt. Ohne Erklärung wurden die Kunden einfach auf die Seite des neuen Anbieters weitergeleitet. Altkunden durften ihre Vaamo-Depots zwar behalten, neue nahm der „Robo“ aber einige Monate lang nicht an.

2020 08 FINT Artikel Börsenserie Anleger Roboter übernimmt Quer 02 unsplash vkfr Fr AIO4o cockpit © Photo by Franz Harvin Aceituna on unsplash

Vertrauenserweckend ist das nicht. „Vertrauen ist bei Geldanlage aber essenziell. Das ist auch ein Grund, weshalb sich einige ‚Robos‘ auf dem deutschen Markt schwertun“, sagt Apelt. „Manchen potenziellen Kunden fehlt schlicht das Vertrauen in die Fähigkeiten von Maschinen und die Marke, deshalb möchten sie ihnen aus Prinzip nicht ihr Vermögen überlassen.“ Zwar wird das Geld der Kunden von Robo-Advisors treuhänderisch verwaltet und wäre deshalb im Falle einer Insolvenz nicht einfach weg. Dennoch: „Wer keinen Ärger haben will, wendet sich an die ‚Robos‘ großer Finanzunternehmen, zum Beispiel der Union Investment als professioneller Anbieter in der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Diese haben bereits ein sehr gutes Vertriebsnetz und Strukturen, die absolut verlässlich sind“, ergänzt Christian Leurs. Denn nicht alle Robo-Advisors, die es heute gibt, werden langfristig überleben: „Der Markt wird sich konsolidieren. Das ist nur eine Frage der Zeit.“

Übernehmen also künftig die Roboter die Geldanlage komplett? Nein. So wichtig künstliche Intelligenz auch für die Finanzbranche bereits ist und weiter werden wird – komplett ersetzen lassen sich menschliche Vermögensverwalter nie, meint Christian Apelt: „Es hört sich komisch an, aber: manche Menschen wollen einfach reden. Sie brauchen einen Berater, der ganz für sie da ist und ihnen zur Seite steht. Bei ihrer Hausbank sind diese dann im Zweifel besser aufgehoben, denn eine ‚Robo‘-Lösung gibt es oft inzwischen auch schon dort – inklusive dem gewünschten Berater.“

28.07.2020