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Banken

Das große Geschäft mit den Auslands­überweisungen

Wie junge Fintechs zur großen Konkurrenz von Western Union und Co. werden und Kunden davon profitieren.
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03.12.2019

Weltweit arbeiten: Dank Globalisierung heute kein Problem mehr. Doch nicht immer reist das Geld so schnell hinter her. Hinzu kommt, dass sich Banken und Bargeldtransferdienste wie Western Union die Auslandsüberweisungen gut bezahlen lassen. Doch den lukrativen Markt brechen zunehmend junge Fintechs auf. Die neuen Anbieter sind nicht nur günstiger – sie bieten zudem auch bessere Wechselkurse an – und gewinnen zunehmend Marktanteile.

Die Zeit drängt. Für das Weihnachtsgeschenk der Eltern legen alle Kinder zusammen. Kompliziert dabei: Der Sohn lebt in Schottland, die Töchter wohnen in Italien und Dänemark. Aber wie landet das Geld jetzt schnell und vor allem ohne großen Organisationsaufwand auf einem Konto? Anbieter wie TransferWise und Xoom sind auf Geldtransfers im Ausland spezialisiert und bieten bequeme Lösungen.

TransferWise hat sich bereits erfolgreich am Markt etabliert und arbeitet mit N26 und anderen jungen Banken zusammen. Der Konkurrent von Western Union gilt bereits als wertvollstes Fintech Europas.

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Das britische Fintech hat sich auf Fremdwährungen spezialisiert. Die Zahlen sind beachtlich: Bereits über sechs Millionen Menschen sind Kunden bei TransferWise. Jeden Monat überweisen sie insgesamt rund vier Milliarden Euro und würden damit jährlich eine Milliarde Euro einsparen, heißt es von Unternehmensseite. Man sei bis zu acht mal günstiger als Banken, verspricht der Anbieter.

"Western Union kassiert sogar mehr ab als die Banken, und die sind schon teurer als wir", sagt Gründer und CEO Taveet Hinrikus über die Konkurrenz.

Das Fintech verspricht Überweisungen zu fairen, transparenten Gebühren und realen Wechselkursen. Dazu nutze TransferWise den durchschnittlichen Kurs des Devisenmarktes für Währungen, die sogennante mid-market exchange rate. Aufschläge auf den Wechselkurs, wie sie bei Banken und Western Union gang und gäbe sind, entfallen. Die etablierten Anbieter kaufen die Währungen günstiger ein, als sie sie an die Kunden weitergeben (so genannter Spread). So zahlen Kunden indirekt eine weitere Gebühr.

85 Prozent billiger als bei einer Bank

Der Online-Geldtransfer-Service richtet sich vor allem an alle, die größere Geldbeträge in ihre Heimat überweisen oder Firmen, die Mitarbeiter im Ausland bezahlen. Der als Basis dienende reale Marktkurs ist für Kunden stets einsehbar – und entspricht dem bei Google angezeigten Tauschkurs. „Das ist im Normalfall rund 85 Prozent billiger als bei einer Bank", sagt Hinrikus, der das Fintech 2011 mit einem Geschäftspartner gegründet hat.

Bei jeder Auslandsüberweisung wird eine Gebühr fällig. Diese ist abhängig von den getauschten Währungen. Die von Transferwise erhobene Gebühr wird zum Beispiel transparent im Multi-Währungs-Konto angezeigt. Meist liegen die Transfergebühren bei ungefähr 0,5 Prozent. Nach maximal zwei Werktagen ist das Geld angekommen. Auch das hänge vom Land und der Währung ab, heißt es bei TransferWise. Bei etablierten Banken dauert das meist länger. Über 50 Währungen aus aller Welt sind bei TransferWise verfügbar.

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Um Geld zu transferieren, nutzen Kunden ein kostenloses Multi-Währungs-Konto. Ein Beispiel: Geld soll von einem britischen Konto nach Frankreich bewegt werden. Zunächst überweist der Kunde seine Pfund auf das britische TransferWise-Konto. Der umgetauschte Euro-Betrag wird anschließend vom französischen Sammelkonto des Anbieters an den Empfänger überwiesen. Das spart teure Gebühren für Auslandsüberweisungen und Zeit. Tests zeigen: Bei den Kunden kommt der Service gut an. So zeigten sich bei einer Umfrage von TÜV Süd 81 Prozent der Teilnehmer sehr zufrieden mit der Geschwindigkeit des Geldtransfers.

Einer der größten Konkurrenten der Briten: Xoom. Der kürzlich von PayPal in Deutschland gelaunchte Dienst bietet nun auch Kunden hierzulande internationale Geldtransfers – schnell und ohne viel Kosten. Seit diesem Jahr ist Xoom in 32 Ländern Europas verfügbar. Von der kurzen Überweisungsdauer profitierten bisher nur Paypal Nutzer in den USA und Kanada. Mit Xoom wird das simple Transferverfahren von Paypal internationalisiert.

Kunden müssen bei Geldbeträgen unter 1.000 Euro mit einer Gebühr von 1 bis 3 Euro rechnen. Beträge darüber werden kostenfrei überwiesen. Damit ist Xoom eine ernsthafte Konkurrenz für TransferWise, wie ein Preisvergleich der WELT zeigt.

Geld nach Hanoi senden während man in Berlin im Bus sitzt.

Dan Schulman, Präsident und CEO von PayPal: „Mit Xoom ist es nun möglich, einfach vom Smartphone aus Geld zu senden, während man in Berlin im Bus sitzt, welches dann innerhalb weniger Minuten in Hanoi abgerufen werden kann, um damit für einen medizinischen Notfall oder die offene Stromrechnung der Familie aufzukommen“.

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Auch in puncto Schnelligkeit punktet das PayPal-Unternehmen. Jedoch sind die Wechselkurse mit höheren Aufschlägen verbunden und es fallen oft Gebühren für die Überweisungen an. Die gehen immerhin in mehr als 130 Länder weltweit.

Noch mehr Nationen sind bei Azimo verfügbar. Hier kann Geld in mehr als 190 Länder versendet werden. Auch hier können die Kunden zwischen unterschiedlichen Auszahlungsverfahren wählen. Azimo ist jedoch derzeit nur in Europa verfügbar und im Vergleich nicht immer der günstigste und schnellste Anbieter. Die ersten beiden Transfers sind gebührenfrei. Jede weitere Überweisung wird oft mit 1 Euro berechnet. Je nachdem wohin, von wo und wie gezahlt wird.

Fazit: Kann man auf die Bargeld-Funktion verzichten, empfiehlt sich TransferWise. Kunden können hier mit einem transparentem Wechselkurs Geld international überweisen und das bei niedrigen Gebühren. Xoom ist eine gute Alternative für Kunden, die bereits PayPal nutzen. Vor allem die Möglichkeit Bargeld zur Abholung zu senden, lohnt sich bei dem Dienst.

In jedem Fall sorgen die neuen Fintechs für frischen Wind auf dem Finanzmarkt. Der Druck wird für etablierte Banken größer. Das zeigt auch die Reaktion der Weltbank. Sie will die Gebühren bei Wechselkursen bis 2030 drücken und damit für bessere Konditionen sorgen. Noch immer seien Auslandsüberweisungen zu teuer. Im ersten Quartal 2019 kostete eine 200-Dollar-Überweisung laut Weltbank durchschnittlich 14 Dollar. Das sind sieben Prozent. 2030 sollen Heimatüberweisungen weltweit höchstens drei Prozent kosten, so steht es auch im UN-Migrationspakt. Herausforderer wie TransferWise könnten zu diesem Ziel beitragen.

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03.12.2019