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Banken

Alle Banker sind gierig! Oder?

Fünf Vorurteile über Bankangestellte – und warum sie alle Blödsinn sind.
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© Photo by Laura College on Unsplash
08.09.2020

Banker sind arrogant, skrupellos und gierig. Sie kassieren fette Gehaltsschecks und tragen immer Anzug. Stimmt das? So ziemlich jede Berufsgruppe muss sich mit Vorurteilen auseinandersetzen, doch gerade im Finanzbereich halten sie sich besonders hartnäckig. Wir klären, was dran ist am selbstverliebten Finanzhai!

Frauen können nicht einparken, alle Männer lieben Fußball und die Deutschen sind immer pünktlich: Jeder kennt sie, jeder hat sie – die Rede ist von Vorurteilen. Sie halten sich hartnäckig, selbst wenn sie nicht der Wahrheit entsprechen. Verschiedene Studien haben längst belegt, dass Frauen zwar langsamer, aber nicht schlechter einparken als Männer. Fußball ist tatsächlich ein sehr beliebtes Hobby, aber eben nur bei rund 59 Prozent der männlichen Bevölkerung. Und lediglich ein Drittel der Deutschen ist der Meinung, dass sie in Sachen Pünktlichkeit im Vergleich zu anderen Ländern ganz weit vorne sind.

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An ihrem reinen Wahrheitsgehalt kann es also nicht liegen, dass Vorurteile so fest in unseren Köpfen verankert sind. Doch bereits Kinder lernen, Zusammenhänge zwischen bestimmten Gruppen von Menschen und ihrem Verhalten herzustellen. Zunächst einmal können solche unbewussten Zuordnungen und Vorentscheidungen durchaus sinnvoll und vernünftig sein: Das berüchtigte Schubladendenken hilft, den Überblick nicht zu verlieren und Situationen einzuschätzen. Das Problem: Solche Zuordnungen setzen sich fest und – basierend auf wenigen Erfahrungen – bildet man ein vorschnelles Urteil. Man geht davon aus, dass sich sämtliche Mitglieder einer bestimmten Gruppe auf eine bestimmte Weise verhalten. Häufig sind es nicht mal eigene Erfahrungen, sondern man übernimmt sie vom persönlichen Umfeld.

Auch Berufsgruppen sind vor Klischees nicht gefeit: Informatiker tragen Karohemden, Lehrer wissen alles besser und Banker sind total geldgierig. So pauschal ist das zwar alles Blödsinn, doch gerade im Finanzbereich gibt es unzählige Vorurteile. Deshalb ist es an der Zeit, die Schubladen im Kopf ordentlich zu entrümpeln und mit den gängigsten Klischees ein für alle Mal aufzuräumen.

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Vorurteil 1: Banker tragen immer Anzug

Ob in der Filiale oder in der Werbung – Bankangestellte tragen Anzug und Krawatte oder Kostüm. Und das aus gutem Grund: Die Business-Kleidung symbolisiert Zuverlässigkeit und Sicherheit für den Kunden und soll ihm das Gefühl geben, dass er dem Mitarbeiter sein Geld guten Gewissens anvertrauen kann. Man geht also automatisch davon aus, dass jemand, der auf seine Kleidung achtet, auch in anderen Bereichen – etwa bei der Verwaltung der Finanzen – große Sorgfalt an den Tag legt. Mittlerweile sehen es aber beide Seiten nicht mehr so eng. Gerade in kleineren und mittleren Finanzinstituten hat sich die Etikette – und damit der Krawattenknoten – gelockert. Neben Vertrauen wird die Begegnung auf Augenhöhe immer wichtiger. Und ein Weg, sich dem Kunden anzunähern, ist ein etwas legererer Kleidungsstil. Zudem wissen die meisten Kunden längst, dass Know-how und Kompetenz nicht von einer gutsitzenden Krawatte abhängen.

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Vorurteil 2: Banker sind arrogant

Bankangestellte arbeiten mit Geld, manchmal auch mit sehr, sehr viel Geld. Da kann es schon mal vorkommen, dass man das Gefühl für Relationen verliert – so die weitverbreitete Meinung. Und gerade den Mitarbeitern internationaler Geldhäuser wird oftmals nachgesagt, dass ihre Tätigkeit sie arrogant wirken lässt. Hochmütige Angestellte sind jedoch kein Phänomen der Finanzbranche, sondern kommen in fast jedem Beruf vor. Tatsächlich kann ein gewisses Maß an Arroganz die Karriere befeuern. Doch der Grat zwischen gesundem Selbstbewusstsein und unangenehmer Selbstüberschätzung ist schmal. Arroganz kommt beim Kunden nicht gut an und stört das Vertrauensverhältnis. Das gilt für global agierende Bankhäuser ebenso wie für kleine Finanzinstitute. Meist sind die Angestellten von Lokalfilialen fest in der Region verwurzelt, sie engagieren sich vor Ort und kennen ihre Kunden persönlich. Alles andere als ein respektvolles Miteinander ist dann einfach nur unhöflich.

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Vorurteil 3: Banker sind gierig

„Banken machen Banker gierig“, titelte der Spiegel 2014. Was war passiert? Nachdem es in der Vergangenheit zu etlichen Betrugsfällen in der Bankenindustrie gekommen war, fragten sich Forscher der Universität Zürich, ob Bankangestellte von Natur aus unehrlicher seien oder ob die vorherrschende Unternehmenskultur im Bankensektor unehrliches Verhalten begünstige. Ihre Studie untermauerte Letzteres: Sie stellten rund 200 Bankangestellte mit einem Münzwurf-Experiment auf die Probe. Die Probanden, denen zuvor ihre berufliche Rolle und die damit verbundenen Verhaltensnormen verdeutlicht worden waren, verhielten sich deutlich gieriger und unehrlicher als die Vergleichsgruppe, deren Teilnehmer das Experiment als Freizeitvergnügen ansahen. Die Schlussfolgerung: Bankangestellte seien zwar genauso aufrichtig wie Mitarbeitende anderer Branchen, ihre Unternehmenskultur begünstige aber unehrliches Verhalten.

Vorurteil also bestätigt? Im Gegenteil: Im vergangenen Jahr hat das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung die Studie mit Bankern aus dem mittleren Osten, aus Asien-Pazifik und aus Europa erneut durchgeführt – und ist krachend dabei gescheitert, das Ergebnis zu wiederholen. Die auf ihren Beruf hingewiesenen Teilnehmer seien zwar minimal unehrlicher gewesen, der Effekt sei aber nicht signifikant, führten die Autoren aus. Die Ergebnisse der Originalstudie lassen sich also nicht auf alle Bankangestellten weltweit übertragen. Dafür kann es mehrere Gründe geben: Womöglich hat sich seit 2014 die Unternehmenskultur geändert oder aber es liegt an nationalen Unterschieden. Gierige Banker gehören damit eher ins Reich der Mythen.

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Vorurteil 4: Banker schwimmen im Geld

Bankangestellte arbeiten nicht nur mit Geld, sondern verdienen auch ganz ordentlich. Das ist zumindest die landläufige Meinung, immerhin liest man in regelmäßigen Abständen von den exorbitanten Auszahlungen der Bankhäuser an ihre Vorstände und Mitarbeiter. So hat zum Beispiel die Deutsche Bank im vergangenen Jahr 1,5 Milliarden Euro an ihre 87.597 Angestellten ausgeschüttet, pro Kopf also durchschnittlich 17.123 Euro (20.415 US-Dollar). Anders sieht es für die Angestellten kleinerer, regionaler Bankinstitute aus. Hier geht es um mehr als die Bonuszahlungen: Die Fachkräfte wollen den Kunden vor Ort zufriedenstellen, statt ihn mit dem Image des skrupellosen Bankers abzuschrecken. Bei Genossenschaftsbanken steht zudem das Gemeinwohl im Fokus – sie verbinden wirtschaftlichen Erfolg mit gesellschaftlich verantwortlichem Handeln und engagieren sich auf vielfältige Weise. Dementsprechend haben sich die Gehälter in der Branche normalisiert: Das Durchschnittsjahresgehalt eines Bankkaufmanns/einer Bankkauffrau bei der VR Bank liegt bei rund 49.000 Euro. Im Geld schwimmt hier also niemand.

Vorurteil 5: Banker sind langweilige Zahlenschubser

Zwei Klischees in einem: Banker haben nur Zahlen im Kopf und sind deshalb langweilig. Beide Vorbehalte lassen sich mit einem Blick auf die vielfältigen Angebote innerhalb eines Finanzinstitutes entkräften. Bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken etwa beschäftigen sich die Mitarbeiter nicht nur mit Geldanlage und Vermögensverwaltung, sie sind auch in den Bereich Kreditvergabe, Baufinanzierung, Altersvorsorge, Versicherungen und Immobilien tätig. Dadurch ergibt sich ein Potpourri an Berufen und Aufgaben, in deren Mittelpunkt die Beratung von Menschen steht.

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Neben analytischem Denken ist da vor allem Empathie und Einfühlungsvermögen gefragt. Darüber hinaus verändert die Digitalisierung das Berufsbild, etwa durch den gezielten Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI). KI unterstützt zum Beispiel bei der Ermittlung von Kundenwünschen, indem sie riesige Datenmengen analysiert und strukturiert. Der Bankberater wird dann zum Datenmanager und KI-Trainer. Und das klingt doch gar nicht mehr langweilig, oder?

08.09.2020